Foto: Bistum Dresden-Meißen

Dresden. Der ehemalige Domkapellmeister und langjährige Leiter der Dresdner Kapellknaben Konrad Wagner konnte seinen 90. Geburtstag feiern. Kirchenmusikdirektor Konrad Wagner hat die Kirchenmusik in Dresden, Sachsen und darüber hinaus geprägt. Geboren 1930 in der Nähe von Bautzen, kam er als Junge zu den Dresdner Kapellknaben. Bereits als Abiturient übernahm er Präfektendienste und Assistenzen für den damaligen Instruktor der Kapellknaben Joseph Wagner. Nach dem Studium an der Musikhochschule Berlin-Charlottenburg trat er 1955 die Nachfolge des gleichnamigen, aber nicht verwandten Chorleiters der Kapellknaben an. 1971 wurde er zum Domkantor, 1994 zum Domkapellmeister ernannt. 1975 erhielt er den Titel Kirchenmusikdirektor. Der Wiederaufbau der Hofkirchenmusik prägte sein Leben, wobei er auf Treue zu den großen Traditionen besonderen Wert legte. Neue Möglichkeiten für die Kirchenmusik erschloss Konrad Wagner zum einen infolge des Zweiten Vatikanischen Konzils, zum anderen durch die Verlegung des Bischofsitzes von Bautzen nach Dresden. Damit wurde die ehemalige Hofkirche zur Kathedrale des Bistums Dresden-Meißen erhoben. Zentrum seines jahrzehntelangen Einsatzes waren die Dresdner Kapellknaben. Das schmälert nicht sein zweifellos großes Engagement für die Kirchenmusik in Dresden, im Bistum und im gesamten Bereich der katholischen Kirche in der damaligen DDR. Mit dem Einzug der Dresdner Kapellknaben in das Haus auf der Wittenberger Straße waren 1956 die Grundlagen für eine deutliche Erweiterung des Chores gegeben. Aus der reinen Knabengruppe von 6-10 Jungen konnten nun Internatsplätze für bis zu 50 Jungen genutzt werden. Damit bot sich auch die Gelegenheit, die Knaben nach dem Stimmbruch als Männerstimmen im Chor zu behalten. In der neuen, erweiterten Besetzung erschloss sich den Dresdner Kapellknaben ein neues Repertoire und vielfältigere, eigenständigere Auftrittsformen. Konrad Wagner stellte sich diesen Aufgaben mit Vehemenz, viel Energie und Ideenreichtum. Konrad Wagner, der über die DDR-Zeit und nach Friedlicher Revolution und Wiedervereinigung den Chor leitete und prägte, war unermüdlich in seinem Einsatz für seine Kapellknaben. Für viele der jungen Sänger wurde er zum Vorbild. Bereits in den Siebziger Jahren erhielten die Dresdner Kapellknaben auch internationale Einladungen. Wichtige Stationen – noch vor dem Fall der Mauer – waren eine Reise nach Österreich, Frankreich und schließlich nach Assisi und zu Papst Johannes Paul II. Weitere wichtige internationale Auftritte folgten nach der deutschen Wiedervereinigung, so zum Jubiläum der Vereinten Nationen 1995 in New York. Konrad Wagner wurde 1995 mit dem Kunstpreis der Landeshauptstadt Dresden, 2001 mit dem sächsischen Verdienstorden und 2014 mit dem päpstlichen Gregoriusorden ausgezeichnet. Herauszuheben ist Wagners Engagement für die Wiedererrichtung des St. Benno-Gymnasiums, dessen Schließung durch die Nationalsozialisten er als Kapellknabe seinerzeit aus nächster Nähe erlebte. 1997, nach mehr als 40 Jahren, übergab Konrad Wagner Leitung und Verantwortung für die Dresdner Kapellknaben an Matthias Liebich, der seinerzeit unter Wagners Leitung selbst Kapellknabe war und von ihm erste musikalische Prägungen erhielt. Auch nach seiner Emeritierung hat Wagner sich weiter für die Dresdner Kapellknaben, die Hofkirchenmusik und das St. Benno-Gymnasium engagiert. Er publizierte historische Aufnahmen, arbeitete ehrenamtlich mit und stellte kritische Fragen. Bis heute ist er immer wieder bei musikalischen Ereignissen in der Kathedrale oder Treffen ehemaliger Kapellknaben gerne gesehener Gast. Aus Anlass seines Geburtstages wurde das Kapitelsamt in der Kathedrale am Sonntag, den 19. Januar von den Dresdner Kapellknaben und dem Kathedralchor mit Musik nach Wünschen des Jubilars gestaltet. Jens Daniel Schubert

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