"Das ist ein großer Feiertag für uns": Der Chorleiter freut sich über zwölf neu Sänger
Dem elfjährigen Bjorn kann man im Gesicht ablesen, was er fühlt, als ihm Domkapellmeister Christian J. Bonath das weiße Obergewand über das rote liturgische Gewand streift. Nach dem Ende des feierlichen Gottesdienstes in der Dresdner Kathedrale sagt es Bjorn dann auch: "Für mich ist es ein ganz besonderer Tag, weil ich endlich dieses Gewand tragen kann und damit zu den Kapellknaben gehöre."
Die feierliche Einkleidung bildet den Schlusspunkt der intensiven, anderthalbjährigen Zeit der Vorbereitung in den Nachwuchschören, in der die Jungen neben dem Singen auch in Musiktheorie unterrichtet werden. Und für Moritz Kube, dem Nachwuchsleiter der Kapellknaben, ist es zugleich der Zeitpunkt, um Abschied zu nehmen. In die große Freude mischt sich bei ihm deshalb auch ein bisschen Wehmut. "Ich gebe die Jungs ab, und schaue künftig eher von Außen auf sie", sagt er.
Doch ein abruptes Ende ist es nicht. Bei den Kapellknaben wird der Übergang in den Konzertchor fließend gestaltet, die Anzahl und Dauer der Proben, das Mitsingen in den Gottesdiensten und bei den Konzerten steigert sich innerhalb der nächsten zwölf Monate. Das gilt neben Bjorn auch für Le Minh, Daniel, Alexander, Paul, Malte, Leopold, Henning, Benjamin, Natsuki, Moritz und Henry, die am Sonntag vor Mariä Lichtmeß den Segen von Spiritual Michael Kreher erhalten.
Der Kaplan zitiert aus dem Kolosserbrief: "Singt Psalmen, Lobgesänge und von Gottes Geist eingegebene Lieder. Singt sie dankbar und aus tiefstem Herzen zur Ehre Gottes." Dass es wie bei der vergangenen Einkleidung wieder zwölf Jungen sind, die in den Hauptchor aufgenommen werden, "dafür können wir sehr dankbar sein", sagt er.
Für Christian J. Bonath ist es ein "großer Feiertag. Wenn man in die Gesichter der Jungs schaut, sieht man Freude, Aufregung und Neugier. Das ist der Lohn für die Mühen in den vergangenen Monaten", meint er und verweist auf das große kulturelle Angebot in Dresden. "Wir sind stolz, dass sie sich für uns entschieden haben."
Bjorn und seine elf Freunde singen nach der Einkleidung erstmals in einem Gottesdienst auf der Orgelempore im Hauptchor mit. Anschließend gehen sie zusammen mit ihren Eltern zu einem Empfang ins Haus der Kathedrale, wo sie neben den Ernennungsurkunden ein kleines Geschenk erhalten. Allmählich weicht bei ihnen die Aufregung, es dominieren Freude und Stolz.